Montag, 05. November 2012

Verlegung eines Stolpersteines am Montag, dem 05.11.2012 in der Römerstraße 2 in Daxlanden für Hermann Müller - Würtz, Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft

Im Auftrag des Bürgervereins Daxlanden wurde am Montag, dem 05.11.2012 in Daxlanden in der Römerstraße 2 im Gedenken an den Daxlander Hermann Müller - Würtz ein Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt.
Stolpersteine sind das inzwischen europaweite Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Die Stolpersteine erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt. Sie werden gestiftet von Menschen oder Vereinen, die sich dafür interessieren, was während der Zeit des Nationalsozialismus in ihrem Ort, vor ihrer Haustür geschah. Nach 1945 wurden in der Bundesrepublik die Verbrechen der Nationalsozialisten vor allem mit den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald und der Holocaust mit dem Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau assoziiert. Diese Lager waren weit weg und der Alltagserfahrung nicht zugänglich. Mit den Stolpersteinen wird die “Topographie der Vernichtung” neu vermessen. Sie markieren den jeweiligen Ausgangspunkt der Verbrechen an den Menschen, und machen so die Orte verdrängter oder vergessener Geschichte wieder sichtbar.

Daxlanden war geradezu eine Hochburg des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Es mag Symbolkraft für diesen Widerstand haben, dass an der Endstation der Straßenbahn in Daxlanden 1933 monatelang in großer Höhe auf einer Pappel eine rote Fahne hing, die der junge Alwin Kutterer dort angebracht hatte. Sie deutete darauf hin, dass die Daxlander Sozialisten nicht bereit waren, vor den Nazis zu kapitulieren. Die aufrechten und kämpferischen Demokraten waren die ersten, die zu spüren bekamen, wie die Nationalsozialisten mit ihren Gegnern umzuspringen gedachten. Die Welle der Verhaftungen - Schutzmaßnahmen genannt - traf im März 1933 vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Im Karlsruher Tagblatt vom 28. März 1933 ist zu lesen:

Heute früh wurden in Daxlanden bei einer Reihe von Mitgliedern der KPD durch die Polizei Haussuchungen vorgenommen, bei denen unerlaubte Waffen und verbotene Druckschriften beschlagnahmt werden konnten. Es kamen etwa 40 - 50 Wohnungen zur Durchsuchung.

Der Widerstand im Dritten Reich hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Wiederaufnahme der Deutschen in die Völkergemeinschaft nach dem Kriegsende 1945 in relativ kurzer Zeit möglich wurde. Wir alle schulden den Menschen, die mutig, wenn auch vergeblich, dem Nationalsozialismus widerstanden haben, größten Dank. Gerade in unserer Gemeinde Daxlanden haben sich Männer und Frauen mit vorbildlichem Sinn für Freiheit und Toleranz gefunden, die sich gegen Unrecht und Gewalt auflehnten. Hermann Müller-Würtz war einer von ihnen.

Hermann Müller-Würtz aus Berghausen, Pfinztal, gelernter Schlosser war seit 1920 bei verschiedenen Ämtern der Stadt Karlsruhe tätig. Er war verheiratet mit Magdalena Dannenmaier aus Daxlanden, hatte 4 Kinder und wohnte hier in der Römerstraße 2 in Daxlanden. 1905 trat er als Mitglied in die SPD ein und begleitete im Ortsverein der SPD Daxlanden das Amt des Kassiers, Schriftführers und Vorstands. Vom 20. Juni 1911 bis 16. November 1930 vertrat er die Interessen Daxlandens als SPD-Stadtverordneter in Karlsruhe. Bei Ausarbeitung der ersten Satzung des Bürgervereins Daxlanden war er wesentlich beteiligt und gehört zu den Unterzeichnern und damit zu den Gründungsmitgliedern. Am 10. Juni 1933 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der NSDAP Ortsgruppe Daxlanden und Hermann Müller-Würtz. Die NSDAP nahm einen von dem Sozialdemokraten verfassten Artikel im „Volksfreund“ zum Anlass, ihn wegen fortdauernder Hetze anzuzeigen und seine Entlassung aus dem öffentlichen Dienst gemäß dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zu fordern. Eine Woche später erschien Hermann Müller-Würtz nicht mehr zur Arbeit und war verschwunden. Wiederum eine Woche später wurde seine Leiche im Rhein bei Altrip angelandet. Sein Tod wurde ohne Obduktion der Leiche als Selbstmord deklariert. Die Vermutung, dass ihn die Nazis umgebracht haben, liegt aber näher.

Die Erinnerung an Daxlander Mitbürger, die Widerstand gegen Unrecht und Gewalt der Nationalsozialisten leisteten, wäre unvollständig, wenn nicht auch August Dosenbach und Friedrich Weick genannt werden würden. Auch sie haben ihr Eintreten für die Erhaltung der Menschlichkeit, der moralischen Verantwortlichkeit und der demokratischen Ordnung während der nationalsozialistischen Barbarei mit dem Leben bezahlt. Noch viele Namen wären zu nennen. In der Daxlander Ortsgeschichte ist dieser Akt des Widerstandes von Stadthistoriker Dr. Manfred Koch ausführlich beschrieben.

Die Frauen und Männer des deutschen Widerstands setzten mit ihrem Denken und Handeln ein Zeichen, das für Moral und Mut steht. Wir setzen dieses Zeichen mit einem STOLPERSTEIN für Hermann Müller-Würtz. Dieser Akt soll ein Zeichen der Hoffnung sein, dass Verfolgungen und Leiden dieses Mannes den Willen der Nachgeborenen stärken möge, sich jeder Form der Gewalt mit einem entschiedenen NEIN entgegenzustellen. Die Verletzung der Menschenwürde trieb ihn zum Widerstand. Er sah im Recht und in der Unverletzlichkeit jedes Einzelnen die Voraussetzung jeder Politik, jedes Zusammenlebens unter Menschen. Mit der Übernahme einer Patenschaft für diesen STOLPERSTEIN wollen wir das Vermächtnis des Widerstandskämpfers und Gründungsmitgliedes des Bürgervereins Daxlanden Hermann Müller-Würtz ehren. Weitere Bilder finden Sie in der Galerie unter Stolperstein Hermann Müller - Würtz

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