Montag, 26. Oktober 2020

110 Jahre Eingemeindung nach Karlsruhe

Rede vom Bürgervereinsvorsitzenden
Reimund Horzel am 23.Oktober 2020 im Bürgerzentrum St. Valentin
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste
Was für ein ereignisreiches Jahr, dieses Jahr 1910. Man höre und staune. Was ist doch nicht alles Weltbewegendes passiert: Karl May beendet seine Winnetou-Serie, Gustav Mahler seine 8. Sinfonie „der Tausend“, Sven Hedin “fährt“ mit dem Wüstenschiff, also einem Kamel, gleich zwei Mal durch Indien; Kandinsky malt sein erstes abstraktes Gemälde; und verkauft es nicht. Die Damen der besseren Gesellschaft tragen 1910 übergroße Hüte, Wagenräder auf dem Kopf und in Baden gibt es eine „eingehende Regelung des Irrenrechts“, was immer das bedeuten und wie man das deuten mag.
Und der Karlsruher Fußballverein, KFV, wird - übrigens als Nachfolger des FC Phönix - Deutscher Fußballmeister. Der Gegner hieß damals Holstein Kiel. Gefeiert wurde im Friedrichshof; den gibt es schon lange nicht mehr. Und auch vom KFV ist nicht wirklich viel übrig, vom Glanz einmal ganz zu schweigen - immerhin lebt er noch, oder besser wieder und hat am Sonntag 7:1 gegen den SV Völkersbach gewonnen - und auch vom FC Phönix spricht nicht wirklich noch jemand, oder doch, gewannen sie gerade 3:0 gegen den SV Sandhausen. Glückliche Tage damals in und um Karlsruhe. Auch unter anderen Aspekten: Noch im Oktober 1909, Daxlanden steckt mitten in den Vertragsverhandlungen mit dem mächtigen großen, landfressenden Bruder aus dem Osten, erhält bei der Landtagswahl die SPD drei von vier Karlsruher Mandaten. Schöne „gute, alte Zeit“..
Vorbei sind auch die Zeiten, in denen sich die Daxlander mit einer Fähre kostenlos über den Stichkanal des Rheinhafens schippern lassen konnten, später immerhin noch mit einem Nachen übersetzen lassen konnten, weil sie das - nicht in den Sonderbedingungen zur Eingemeindung - sondern bereits bei der nicht ganz freiwilligen Abtretung viel Geländes für den Rheinhafenbau haben zusichern lassen.
Schon damals, also kurz vor der Wende in's 20. Jahrhundert, gab es leicht massiven Druck von oben in Richtung „Zwangsverallgemeinerung“. Mit den Bauarbeiten für den Hafen wurde bereits begonnen, bevor es eine Entscheidung des Landgerichts in der Sache Landbesitz gab. Tja, wie sich die Bilder doch gleichen .Da floss viel Daxlander Herzblut. Und relativ wenig Geld aus der Residenz.
Vorbei waren aber auch 1909, als es die ersten zaghaften Vorstöße des Daxlander Gemeinderates in Richtung Karlsruhe gab, die Zeiten, in denen man - wie etwa Beiertheim - für die Bereitschaft zur kommunalen Ehe eine ordentliche Mitgift in Form von Steuerbefreiung erreichen konnte. Den richtigen Zeitpunkt - das muss man heute, wenn auch ohne Vorwurf, aber dennoch in aller Deutlichkeit sagen - haben die altvorderen Schlaucher verschlafen. Damals gab es - im Gegensatz zu heute - gelegentlich noch etwas zu holen.
Die Gegenwart sieht doch etwas anders aus. Gut, an die Umbenennung von rund 25 Daxlander Straßen - wir haben halt jetzt keine Lammstraße mehr, sondern eine Federbachstraße, dafür aber eine Gas - Wasser - Ver - und Entsorgung, das geht in Ordnung - konnte man sich ja gewöhnen. Und dazu brachte ja Daxlanden als reiche Gemeinde seinerzeit wahrlich viel an Goldmark und an Geländefläche, sprich Hektar mit in die Ehe ein. Schenken lassen will sich ein Daxlander nix. Er versteht sich als freier Bürger im Freistaat Daxlanden. Und der beweist Kampfgeist - und ich rede nicht vom Kampfgeist auf dem Festplatz
Aber wie für den 1909/1910 vertraglich vereinbarten Straßenbahnanschluss, der lange auf sich warten ließ, muss man als Daxlander mit Leib und Seele heute immer noch um das eine oder andere kämpfen, sei es auch nur um einen Abfallbehälter am „Großen Loch“. Und dagegen, dass etwa sicher wohlmeinende und wohlgesonnene Karlsruher - aber vor allem Nicht-Daxlander den Schlaucher sagen wollen, wie ein typischer Schlaucher auszusehen hat: oder gar woher diese Nette und allgemein akzeptierte Namensgebung rührt. Wenn eines sicher ist: NICHT vom Schlauchboot oder einem LKW-Schlauchreifen Denn einen Reifenschlauch trugen viele Schlaucher schon allein aufgrund der allerbesten Gastronomie-Situation oft mit sich herum. Schwabbel - die - Bauch!
Kurz: Wenn es auch in der offiziellen Daxlanden - Hymne, entstanden oder zumindest im einstigen „Hirschen“ gefassten und irgendwann in den lustigen 50ern niedergeschrieben, also im so überlieferten „Ein Daxlander Lied!“ heißt .
Wir lieben dich Daxlanden drum stimmet alle ein,
wir wollen keine Briganden nur echte Schlaucher sein.“
so ist das historisch nur bedingt vollständig, weil eben die Daxlander mehrheitlich sich für den Anschluss aussprachen, so gelten doch die wesentlichen vier Zeile davor, komme, was da wolle:
„Daxlanden du alleine bist unser Heimatland,
du liegst so nah am Rheine und jedem gut bekannt.“
Am „gut bekannt“ müssen wir noch ein wenig arbeiten, aber wir sind auf dem richtigen Weg.
„Daxlanden du alleine bist unser Heimatland“, das gilt! Unter allen Umständen
Ja, meine Damen und Herren, liebe Gäste, auch die heutigen Umstände sind nicht leicht. Der Corona - Virus hat uns wieder fest im Griff. Beachten Sie die Hygiene -Maßnahmen und kommen Sie gut durch die Corona - Pandemie.
Ihr Reimund Horzel

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